Vorortrecherche 2013

Seit Juli 2012 ist die Geburts- und Notfallambulanz in Betrieb. Mittelfristig Ziel ist, die Ambulanz in die Trägerschaft des lokal guatemaltekischen Vereins Kayibal zu übergeben. Der Verein wurde Anfang 2013 gegründet, mit dem Ziel, die Ambulanz in Chocruz selbstständig zu verwalten und zu finanzieren. Er besteht aus den Angestellten der Ambulanz, den Hebammen Olga und Pati sowie der Verwalterin Marilu. Zusätzlich engagieren sich zwei Lehrer der Schule in Chocruz, die Vereinsziele umzusetzen.

Zur Vorbereitung der zweiten Projektphase sind Projektleiter Michael Bieler und Studenten der Hochschule Anhalt nach Chocruz gereist. Hier zeigt und beschreibt Michael den Ablauf der Vorortrecherche.


25.09.2013   Angekommen an der Clinica in Chocruz wurden wir mit offenen Armen empfangen. Teodoro und der stellvertretende Direktor der anliegenden Schule stellten uns den einzelnen Klassen vor. So wurden uns zur Begrüßung Lieder vorgesungen oder gerade Gelerntes vorgetragen. Danach zeigten Olga und Pati den Studenten ihren Arbeitsplatz in der Clinica und erläuterten die Nutzung der Räume.  So konnten die Studenten ihren benötigten Arbeitsplatz besichtigen, vorhandene Arbeitsmaterialien aufnehmen, um gegebenenfalls Fehlendes zu kaufen und um sich einzurichten. Waehrend wir uns mit Teodoro die Holzwerkstatt anschauten, erzählte er, dass bei Regen die Werkstatt regelmäßig von Wasser durchströmt wird. Eine Dachrinne, sowie eine Drainage könnten hier für Abhilfe sorgen. Des Weiteren würde er sich eine Wiederinbetriebnahme der Holzwerkstatt wünschen. Sein Sohn, welcher Schreiner mit Ausbildung ist, könnte hier Ausbildungen für Schüler anbieten. Mit dem Herstellen verschiedener Sachen, wie Möbel, Spielzeuge und ähnlichem aus Holz würde auch ein Lohn für die Auszubildenden herausspringen. Da Teodoro Mitglied des Dorfkomitees ist, fragten wir ihn auch gleich nach dem bereits geplanten Wasserprojekt, dass er bei der Regierung eingereicht hat. Da eine eventuelle Genehmigung wohl noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird, kann das Wasserprojekt der Hochschule ohne Probleme oder Konkurrenz autark geplant werden. Allerdings könnte man über eine Verbindung nachdenken. Gegebenenfalls kann in der Trockenzeit auf das vielleicht entstehende Wasserprojekt der Regierung zurückgegriffen werden. Dafür bittet er explizit Mirador um Know-how, Einsatz von Helfern und nachrangig um finanzielle Unterstützung. Die bisherige Wasserversorgung wird durch einen Tank in einer höher liegenden Region sichergestellt. Mehrere Quellen speisen einen großen Haupttank der wiederum mehrere kleine befüllt an denen dann die Hauptleitungen für die Abnehmer angeschlossen sind.  Trotz der Regenzeit kommt leider sehr wenig an der Schule an, vermutet wird, dass undichte Leitungen und „illegale“ Abnahmen für einen geringeren Durchfluss sorgen. Auf Anfrage, sagte uns Teodoro, dass das Komitee wohl streng dafür sorge, das dies eigentlich nicht geschehen kann. Jeder Nutzer muss sich beim Komitee anmelden. Trotzdem werden wir den Tank besuchen um Wassserproben zu nehmen. Auf Wunsch werden wir auch die Gegebenheiten aufnehmen um vielleicht eine Lösung für das Problem zu finden. Anschließend warteten wir mit Teodoro auf Juan für eine erste Besprechung zwecks unserer Vorhaben. Marilu erstellte uns eine Liste mit Preisen für die Beschaffung von Betten und Möbeln. Diese werden wir besorgen, damit uns in der Zukunft auch internationale Ärzte in der Clinica unterstützen können. Da Marilu Vorsitzende des Vereines „Kaybal“ ist, legten wir gleich ein Treffen für eine Sitzung am Donnerstag, 15 Uhr fest. Dann besprechen wir Themen wie die Ausbildungsvorhaben (Studium, Führerschein) von Olga und Pati, wirtschaftliche Lage der Clinica, Akzeptanz der Clinica in der Bevölkerung und geplante Aktionen zur weiteren Integrierung der Clinica seitens der Bevölkerung, aber auch im Kooperationsvertrag mit Mirador festgehaltene Punkte. Geplant ist ebenfalls das Aufzeichnen kurzer Videos zur Erläuterung der Aufgabenfelder von Marilu, Olga und Patti hier in der Clinica. Der nach letzten Erkenntnissen scheinbar defekte Computer war bereits wieder voll verwendbar. Des Weiteren untersuchten wir bereits den Brunnen im Laubengang der Clinica. So schöpften wir Wasser aus dem Schacht, um zu sehen, wo sich der Wasserstand befindet, welche Wasserqualität vorhanden ist und wie schnell neues Grundwasser nachsickert. Nach ersten Erkenntnissen hat der Brunnen eine Tiefe von 9 Metern. Ein ständiger Grundwasserstand von zirka 80cm erneuerte sich nach Ausschöpfen um 30cm in 2 Stunden. Nach Teodoros Auskunft ist dieser Wasserstand auch in der Trockenzeit zu erwarten, jedoch erneuert sich dieser erheblich langsamer. Er legte uns nahe über eine Vertiefung des Brunnens nachzudenken.  Nachdem Juan vom Einkauf für die Schule zurück kam, konnten wir ihm von der Hochschule Anhalt und Mirador viele Grüße ausrichten und stellten ihm und Teodoro unsere Vorhaben und Fragen vor. Ersichtlich erfreut zeigte er uns die Bereiche auf dem Grundstück der Schule, welche für eine Nutzung in Frage kommen würden. Auf eine Anfrage ob wir uns die Quellen der bisherigen Wasserversorgung anschauen und prüfen könnten, bot er uns einen Termin am kommenden Dienstag an. Ein Problem stellte aus seiner Sicht die Entsorgung der Schultoiletten dar. So wurde die bisherige Schultoilette durch einen Neubau ersetzt. Grund hierfür ist Aufnahmemenge der alten „Trockentoilette“. Da die Schuelerzahl stetig zunimmt, ist es den Lehrern und Angestellten nicht möglich diese regelmäßig zu warten. Der Neubau ist nun für 5 bis 6 Jahre konzipiert und müsste dann wieder abgerissen werden, um einen neuen Standort auszuheben. Die bisherige Grube wird dann wieder mit Erde „verschlossen“. Über eine Integrierung der Toilette in das Wasserprojekt steht Juan somit sehr aufgeschlossen gegenüber. Die Trockentoilette direkt an der Clinica ist bereits ausgelastet und laesst leider keine Vergrößerung zu. Die Beschädigung des Daches während eines Baumverschnittes wurde mit einer Beschichtung aus Bitumenkleber und einem dauerelastischen „Aufkleber“ ausreichend behoben. Die obere Schicht besteht aus Aluminium und schützt den Bitumenkleber vor UV-Strahlung und somit vor Porosität.  Aus meiner Sicht reicht dies aus, muss aber dennoch in längeren Abschnitten regelmäßig erneuert werden. Einen Austausch der betreffenden Dachbekleidung halte ich aus finanzieller Sicht für zu aufwändig, da zwar Regenspuren in der Clinica sichtbar sind, aber nach einem kuerzlichen und heftigen Regenschauer kein Wassereintritt zu verzeichnen war.


26.09.2013   Da wir von Juan für die Einkaufsrecherchen ein Auto gestellt bekommen haben, besorgten wir heute notwendige Einsatzmittel für die Ausführung der Wasserprobenmessungen. Um auch den Kindern eine Überraschung machen zu können kauften wir auf dem Markt je einen Sack Äpfel und Orangen, da Obst in der anliegenden Schule leider nur selten ausgegeben werden kann. Um 12 Uhr  war ein Skype Gespräch mit Theo und Carola geplant. Hier wurden die ersten Erkenntnisse mitgeteilt und weitere Hinweise ausgetauscht. Da wir die beiden über die Lage der Holzwerkstatt in Kenntnis gesetzt haben, werden wir nun auch Preisrecherchen über Dachrinnen und Zubehör durchführen, um gegebenfalls noch während unseres Aufenthaltes eine solche zu installieren. Später übergaben die Studenten der Hochschule mitgebrachte Schuhe, Malhefte und Stifte sowie kleine Naschereien aus Deutschland an Juan. Er weiß genau welche Schüler eine Unterstützung benötigen. Da uns Juan vom Toilettenproblem erzählte, stellte Peter, ein Student der Hochschule Anhalt, ihm nun seine Vorstellungen einer Lösung vor. Diese sieht vor, eine Pflanzenkläranlage zu installieren. Mit Bildern und Know-how zeigten wir ihm bereits entstandene Projekte bei denen Pflanzenkläranlagen gebaut wurden. Nach längerem Gespräch, wurden Punkte wie Dimensionierung, Bewässerung, Pflanzenarten, Wartung und bauliche Bedingungen erläutert. Juan zeigte sich dieser innovativen Lösung gegenüber sehr interessiert. Er bot an, bereits im November und Dezember, wenn hier Schulferien sind, ersten Aushub für Zisternen oder Pflanzenbecken vorzunehmen. Die anfallende Erde würde unterstützenderweise gleich zur Nivellierung des Schulgeländes dringend benötigt. In der gerade endenden Regenzeit sind Abtragungen von Erdmaterial stark vorhanden.

27.09.2013   Nachdem wir uns eine Liste mit benötigten Dingen erstellt hatten, sind wir heute nach Quetzaltenango gefahren, um Preise zu recherchieren und erste Dinge einzukaufen. Zwei Studenten verblieben in der Clinica um ihre Untersuchungen vorzubereiten. Mit Marilu’s Möbelliste konnten wir uns nun ein Bild über günstige und teure Angebote machen. Ebenso kauften wir reinen Ethylalkohol für die Wasseruntersuchungsprozedur. Auch zwei Einzelbetten mit der Möglichkeit sie problemlos nebeneinander zu stellen haben wir nun schon für je 290 Quetzals gekauft. Da die Anreise nach Xela eine lange und aufregende ist, brauchten wir auch bis in den Abend hinein um wieder „heimzukehren“. Unterdessen übergab Juan in Begleitung seines stellvertretenden Schulleiters und der zwei Studenten die mitgebrachten Geschenke an die einzelnen Schüler, machten Bilder und bedankten sich.

28.09.2013   Heute hatten wir endlich die Gelegenheit erste Berechnungen durchzuführen, Geländevermessungen vorzunehmen, Berichte zu schreiben und eine Wasseranalyse des Brunnens an der Clinica zu starten. Ein Ergebnis werden wir wohl am Montag haben.

30.09.2013   Heute unterzogen wir den Proben des Wassers im Brunnen einer ersten Analyse. Heraus kam das die Wasserqualität gut ist und somit für Trinkwasser weiterverwertet werden kann. Die Studenten wollten aber noch bis Mittwoch warten um genauere Information zu geben. Darüber hinaus konnten wir erste Videos von Olga, Paty und Marilu aufnehmen. Sina, unsere Dolmetscherin machte sich gleich daran sie zu übersetzen.

01.10.2013   Heute war Kindertag, die Schule organisierte ein Sportfest mit verschiedenen Wettkämpfen. Zu gewinnen gab es Dinge wie Schuhe, Socken, Bälle und Kinderspielzeug. Während sich wieder zwei Studenten um ihre Analysen kümmerten, machten wir uns am Mittag auf um die Quellen der Trinkwasserversorgung in den Bergen zu besichtigen. Der Aufbau des Trinkwassersystems gestaltet sich aus einer Anzahl von mehreren natürlichen Quellen, welche dann in 3 verschiedene Sammeltanks in unterschiedlicher Höhe und Entfernung geführt werden. Dort entnahmen wir Wasserproben zur Analyse. Nachdem uns ein massiver Regenschauer heimgesucht hatte kamen wir in der Dämmerung wieder nach Chocruz. Hier war bereits das Kinderfest zu Ende. Glücklicherweise hatte man uns etwas von der Mittagsmahlzeit aufgehoben und konnten uns somit wieder aufwärmen.

02.10.2013   Heute besprachen wir die Ergebnisse der Brunnenanalyse an der Klinik. So teilten die Studenten der Pharmatechnik mit, dass eine Trinkwassernutzung nur mit einer anschließenden UV-Behandlung sichergestellt werden kann. Sie schlugen vor, eine Art abschließende Desinfizierung in Form einer Meanderschleife auf dem Dach der Klinik zu installieren. Die Proben an sich sind aber weiterhin erfreulich gut. Da wir kurzzeitig für eine Bestellung nach Xela mussten und die Ärztin zu einem Hausbesuch musste, baten wir sie um eine Aufnahme eines Videos zum Stand der Dinge in der Klinik.

03.10.2013   Heute war Sportfest an der Schule. Gemeinsam im Lehrerteam spielten die Studenten Fußball. Leider musste ein Teil des Teams schon eher los um letzte Dinge aus Xela einzukaufen. Da wir an den Vortagen bereits Preise und Verkaufsorte recherchiert hatten konnten wir sehr zügig letzte Möbel und Dachrinnenzubehör kaufen. Zurück in Chocruz warteten bereits die Mitglieder des neuen Kaybal-Vereines um das geplante Treffen abzuhalten und um Grundlagen für das weitere Arbeiten zu legen.

04.10.13   In Sachen Schreinerei wurde gefragt ob es möglich sei, ein Austauschprogramm mit spanischen oder spanisch sprechenden Auszubildenden zu organisieren um mehr Know-how zu übermitteln. Die Suche nach hiesigen Auszubildenden gestaltet sich als sehr schwierig. Der Computer in der Klinik wurde gecheckt und Marilu erhielt eine Einweisung durch Sina zum Verwalten von Ordnern in Dateien im Windowssystem. Gemeinsam mit Peter und Sina installierten wir bis in die Nacht das Regenrinnensystem an der Schreinerei. Juan stellte Kaffee bereit und bedankte sich für unser Engagement.

05.10.13   Nun ist unsere Zeit in Momostenango und Chocruz vorbei. Juan brachte uns am Morgen zum Chickenbus und wir verabschiedeten uns. Er würde sich freuen uns bald wieder wiederzusehen und richtete viele Grüße an Mirador aus. Sina, welche hier hervorragende Arbeit geleistet hatte, muss uns nun leider am Sonntag verlassen um wieder nach Mexiko zurück zu fliegen. Ohne ihr Engagement hätten wir bei Weitem nicht so erfolgreich agieren können. Vielen Dank von Mirador.

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