Vorortrecherche 2017

Im März 2017 besuchten Carola und Micha die Gesundheits- und Geburtsambulanz in Chocruz. Hier ist ihr Bericht.

Marilu, Verena, Pati und Patienten

Pati, Verena und Patientin

Wandgestaltung

Werbung für den Gesundheitstag

Don Raphael mit seine Familie

Micha, Pati, Verena, Marilu und Carola vor der Klinik

Neubau der Schule

Treffen mit Ariadna und Otto

Versorgungshaus und Klinik

Anja, Pati, Micha, Marilu und Juan

Im Eimer

Famile von Juan (Direktor der Schule)

1.200 Flyer

Gesundheitstag

Gesundheitstag

Gesundheitstag

Gesundheitstag

Gesundheitstag

Vorstand von Kayibal

Auf dem ersten Blick hat sich in Guatemala viel verändert. Viele neue und bunte Wohn- und Geschäftshäuser sowie altbekannte amerikanische Fast-Food Ketten begleiten die breite und gut ausgebaute Straße von Guatemala Stadt nach Antigua. Guatemala Stadt hat sich optisch sehr herausgeputzt, saubere Grünanlagen und ein überarbeites Vekehrsleitsystem lassen die Realität eines Entwicklungslandes verschwinden. Vielmehr könnte man denken man durchfahre eine Stadt in den USA. Soweit man nicht die Wege verlässt, welche der gemeine Tourist in der Regel in einer Achse aller Hotspots (Tikal, Lago de Atitlan, Antigua etc.) erfährt, stellt sich keinem Besucher die harte Realität der indigenen Bevölkerung. Vor allem die harte Realtität der Frauen und Kinder bleibt oft verborgen hinter Lehmhütten und schwerbegehbaren Pfaden.

Momostenango, die symphatische Kleinstadt am Rande unseres Projektgebietes hat sich kaum verändert. Sei es das Raumschiff Hotel Otono, der Parque Central mit seinen typisch gelb gestrichenen Fassaden oder der Mercado mit seinen vielen Ständen.

Oben in Chocruz wird man derzeit mit arbeitsamen Geräuschen begrüßt; die Schule des Vereins Funiga wird komplett neu errichtet. Auffallend dabei sind die massiven Betonstützen mit ihren kräftigen Stahleinlagen. Während man den Weg hinunter zum Sportplatz beschreitet wird man von der kompletten Mannschaft des Bauteams begrüßt und mehr und mehr zeigen sich die Umrisse unserer Gesundheits- und Geburtsambulanz.

Am Eingang stehen Marilu und Pati, die uns mit einem Lächeln empfangen. Während unseres Aufenthaltes in Chocruz wird uns ihre Kompetenz und Leidenschaft ersichtlich, welche sie in das Projekt stecken. Seit unserer letzen Begegnung 2013 bzw. 2014 haben sich die beiden Frauen in dieser extremen Machogesellschaft sehr gut entwickelt und können, aus unserer Sicht, einen Beitrag zur Unterstützung der Frauen in ihren verschiedenen Lebenslagen leisten. Pati ist in ihrer Hebammen- und Krankenschwesterntätigkeit sehr professionell. Das bestätigte auch Verena, eine Medizinstudentin aus Berlin, die die letzten vier Wochen ein Praktikum in der Gesundheits- und Geburtsambulanz gemacht hat. Marilu arbeitet sehr korrekt in der Verwaltung der finanziellen Mittel und bildet sich in einem berufsbegleitenden Verwaltungsstudium weiter. Marilu hat vor einigen Wochen geheiratet.

Die Klinik wird von dem guatemaltekischen Verein Kayibal unterstützt. In den letzten beiden Jahren ist leider nicht so viel Initiative von dem Verein ausgegangen. An unserem letzten Tag in Chocruz konnten wir der Vereinssitzung beiwohnen, in der eine neue Vorstandskonstellation gewählt wurde. Pati wurde zur Präsidentin gewählt, Teodoro (Dorfvorsteher) zum Vizepräsidenten, Marilu zur Schatzmeisterin, Mario (Lehrer) zum Schriftführer, Alicia (Lehrerin) zur ersten Sprecherin, Petrona zur zweiten Sprecherin und Edgar (Lehrer) zum dritten Sprecher. Ihre Ziele sind: die Durchführung von mehr Gesundheitstagen, auch unter Einbeziehung der umliegenden Dörfer und Zusammenkünfte mit den Eltern aus Chocruz und Umgebung, um auf die Klinik aufmerksam zu machen. Wir haben vorgeschlagen, mehr Informationsveranstaltungen zum den Themen Hygiene und Familienplanung anzubieten sowie in den umliegenden Dörfern Werbung für die Ambulanz zu machen. Während unseres Aufenthaltes haben wir 1.200 Flyer erstellt und drucken lassen, um diese Maßnahme zu unterstützen. Für die Veranstaltungen hat Kayibal nach einem Beamer gefragt; vielleicht ist das eine gesonderte Spenden-Aktions-Aufgabe für Mirador. Mit Pati als Präidentin hoffen wir, dass Kayibal wieder aktiver wird und sie ihre Ziele in den nächsten zwei Jahren umsetzen können.

Dass der Bedarf an weiteren Krankenstationen in den umliegenenden Dörfern groß ist, zeigte uns eine Anfrage eines Camioneta-Fahrers an unserem ersten Tag in Chocruz. Don Raphael lebt in dem Ort Terra Colorada, der mehr als zwei Stunden Fußweg von Chocruz entfernt liegt. Er lud uns zu sich nach Hause ein und fragte uns, ob Mirador auch in seinem Ort eine Krankenstation bauen kann. Wir sagten ihm, dass der Bau einer Krankenstation nicht das Problem ist, dass aber der Betrieb gesichert werden muss und wir das als kleiner Verein nicht leisten können. Er erzählte uns, dass es vor einigen Jahren einen Verein gab, der eine Krankenstation in seinem Ort bauen wollte, die Einwohner dies aber nicht wollten, weil sie kein Vertrauen in den Verein hatten. Wir schlugen vor, dass er noch einmal mit dem Verein ASODESC Kontakt aufnimmt und sich dann bei uns melden kann, falls unsere Unterstützung in Bezug auf die Akzeptanz notwendig ist. Don Raphaels Tochter Sandra Elisabeth ist ausgebildete Krankenschwester in Guatemala-Stadt. Wir haben unsere Kontaktdaten da gelassen, so dass die Tochter mit uns jederzeit Kontakt aufnehmen kann.
Wir schlugen vor, dass er mit seinem Auto Fahrgemeinschaften bilden kann und Bewohner seines Ortes nach Chocruz in die Klinik fahren kann; wir verwiesen auf die Gesundheitstage, an denen die Behandlung kostenlos ist.

Für die weitere Verknüpfung der Klinik mit den traditionellen Hebammen haben wir uns mit Sandra von Manos Abiertas  (Manos Abiertas, deren Direktorin Hannah ist, hat damals Pati und Olga zu Hebammen ausgebildet) und Diana (Hannahs Tochter) getroffen. Beide sind Hebammen. Sie können sich gut vorstellen, Weiterbildungen für die traditionellen Hebammen anzubieten. Sie haben bereits Erfahrungen (gute und schlechte) mit derartigen Projekten. Der grobe Plan sieht vor, jeden Monat einen Workshop in Chocruz durchzuführen. Um die Anwesenheit der traditionellen Hebammen zu gewährleisten, sollen sie mit Instrumenten und Informationsmaterialien ausgestattet werden (Ausleihe). Sandra und Diana gehen davon aus, dass dies ein Anreiz für die Hebammen ist, an den Workshops teilzunehmen, da die traditionellen Hebammen für ihre Arbeit meist nicht bezahlt werden (die Familien haben kein Geld; die Regierung erachtet Hebammen nicht als notwenidg). Sandra wird einen Plan und den Finanzierungsbedarf aufstellen. Für die Startfinanzierung kann Mirador noch 1.000 EUR von Fördergeldern vn genialsozial bereitstellen.

A propos genialsozial: an einem Tag hatten wir Besuch von Anja, eine ehemalige Aktive von genialsozial, die 2011 in der Schülerjury war, als wir unser Projekt in Meißen vorgestellt haben. Sie macht gerade ein Praktikum in Xela. Nach ihrem Besuch beglückwünschte sie uns zu Pati und Marilu. Sie hat in ihrem Projekt in Xela noch nicht so engagierte Menschen, wie die Beiden, kennengelernt.

An einem Abend waren wir in Xela, um uns mir Ariadna und Otto zu treffen. Ariadna ist Chirurgin und Professorin an der Universität in Xela. Otto ist ihr Ehemann und Ariadnas sehr wichtige rechte Hand. Ariadna hat uns 2012 die Ärztin für die Klinik vermittelt. Vor einigen Monaten schrieb uns Aridna, dass es sehr viele Probleme in Chocruz gibt. Erfreulicherweise konnten wir Ängste widerlegen, welche ihr in anderen Projekten schon wahrlich begnet sind. Ihre wichtigste Intention ist, dass wir für unsere engagierte und schwierige Arbeit zur Finanzierung der Gesundheits- und Geburtsambulanz auch auf ein vertrauenswürdiges Verhältnis zum Team in der Ambulanz setzen können. Für diesen weiteren Blick und die Informationen sind wir sehr dankbar.

Weniger erfreulich waren unsere Nachforschungen bei der guatemaltekischen Bank. Hintergrund ist, dass bei den letzten drei Überweisungen von Mirador nach Guatemala das Geld nicht vollständig in Guatemala angekommen ist. Die Recherche ergab, dass die Bank für die Umrechnung von Euro in Dollar und von Dollar in Quetzal eine Gebühr von 5% (!) verlangt. Marilu hat uns eine Aufstellung aller Banken in Momostenango und Xela mitgegeben, so dass wir in Deutschland recherchieren können, welche Bank diese Gebühren nicht verlangt.

Die Reparatur der Solar- und Regenwasseranlage war leider nicht möglich, da zum Einen gerade Trockenzeit ist und somit die Funktionsweise des Wasserkreislaufes nicht vollständig geprüft werden kann und, zum Anderen, der Stromkreislauf durch die Bauarbeiten an der Schule anders gelegt wurde. Eine Instandsetzung ist demnach erst nach den Bauarbeiten und in der nächsten Regenzeit möglich (circa ab Oktober). Juan, der Direktor der Schule, will sich um die Beuftragung der Handwerker kümern. Dennoch haben wir eine Bedienungsanleitung für das Sytem angefertigt und den Verantwortlichen übergeben.

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